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Schreibwerkstatt


Schreibzutaten sind eigenes Erleben, Fantasie und die Lust, Gedanken aufs Papier zu bringen.

Lesen Sie die Geschichte von © Eva-Maria V.:

Wo ist Herr Frenzel?

 
Die Seniorenresidenz „Heimat“ in Grünenwalde liegt malerisch am See in einer gepflegten Parkanlage. Um dort seinen Lebensabend zu verbringen, muss das Altersruhegeld sehr hoch sein. Eine Pflegestation für Demenzkranke gibt es in der Residenz auch. Marianne Kaufmann führt gewissenhaft die Hausleitung. Es wird sehr lieb mit den Bewohnern umgegangen.
 
Aufgeregt stürzt Krankenschwester Arianna Maas ins Büro des Heimdirektors Arno van Cloosen. „Herr Direktor, Herr Direktor, Herr Frenzel aus Zimmer sieben ist verschwunden. Zur Kaffeezeit war er noch da. Ich verstehe es nicht, es ging ihm gut. Allerdings ist die Demenz in den letzten Monaten sehr fortgeschritten.“
„Nicht so aufgeregt, Frau Maas, wir werden Herrn Frenzel sicher schnell finden“, antwortet van Cloosen. Mit allen verfügbaren Angestellten wird die Residenz von hinten bis vorne abgesucht. Alle Flure, jede Wohneinheit und der angrenzende Park werden gründlich kontrolliert. Nichts!
 
Herr Frenzel ist nicht auffindbar.
„Es nützt nichts“, seufzt Arno van Cloosen, „wir müssen die Polizei einschalten.“ Aufgeregt setzt er sich an seinen Schreibtisch, ergreift das Telefon und wählt die Nummer der Ortspolizei. „Herr Kiehn, ein Bewohner, Herr Frenzel, ist verschwunden, er ist dement und wird wahrscheinlich den Weg zurück zur Residenz nicht finden, bitte helfen Sie uns!“
Zwei Polizisten laufen sofort zum Wagen und fahren langsam die Hauptstraßen ab. „Schau mal dort, das Gemeindehaus ist völlig verschmiert mit roter Farbe! Ich steige schnell aus und schau nach dem Rechten. Da hat sich eine Person so richtig ausgetobt. Sieht so aus, als wäre hier mit Sprühdosen hantiert worden.“
„Wir kümmern uns später um die Schmiererei, wir müssen erst mal den Herrn Frenzel suchen“, spricht der Kollege.
 
Aufmerksam läuft die Hauswirtschaftsleiterin, Frau Kaufmann, durch die Nebenstraßen. Schaut in jede Ecke und jeden Winkel. „Wo steckt er bloß“, grübelt sie, „ist doch hoffentlich nicht im Badesee ertrunken?“
 
Herr Frenzel ist nicht auffindbar. Aus dem Ort haben sich einige Männer zusammengetan und suchen tüchtig mit. Es wird langsam dunkler und der Heimbewohner ist nicht da. Sie suchen und suchen! Ohne Erfolg!
 
Die Bäckerei schließt um achtzehn Uhr. Der Besitzer, Finn Jensen, geht nach Feierabend immer eine Runde mit seinem Hund spazieren. Er marschiert durch den schmalen Waldweg. Die Dunkelheit kriecht durch die Bäume. Er hat seine Taschenlampe dabei. „Was ist das dort Eigenartiges“, denkt er. Im Lichterkegel seiner Lampe sieht er auf der Bank fröstelnd und versunken einen älteren Herrn sitzen. Die Hände rot, die Kleidung rot. „Sind Sie verletzt? Wie heißen Sie?“ Verwirrt schaut der Angesprochene hin und her und zwei Sprühflaschen rollen von der Bank zu Boden. „Gott sei Dank ist es Farbe und kein Blut“, stellt der Bäcker fest. Eilig wählt er die Nummer der Polizeiwache. “Schicken Sie einen Kollegen in den Waldweg. Hier sitzt ein älterer Herr mit roten Händen und verschmierter roter Kleidung und lacht und lacht.“
„Bleiben Sie bitte dort, wir kommen sofort“, antwortet der Polizist.
 
Der Heimleiter sucht fieberhaft mit. „Wo mag Herr Frenzel sein? Dort im Waldweg habe ich noch nicht geschaut“, denkt er. Von weitem sieht er das Licht einer Taschenlampe. Eilig läuft er drauf zu - und erkennt den vermissten Herrn Frenzel. Neben ihm steht Finn Jensen von der Bäckerei.
„Herr Frenzel, wir haben Sie überall gesucht, was ist passiert?“, fragt van Cloosen. Keine Antwort. Herr Frenzel lacht und lacht und zeigt stolz seine roten Hände.
„Ja, da haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, stellt der anwesende Polizist fest. „Den verlorenen Heimbewohner haben wir heil gefunden und wie es zu sehen ist, hat er mit roter Sprühfarbe das Gemeindehaus verunstaltet. Das hat ihm sicher großen Spaß gemacht, wie man sieht.“
 
Kann ein Demenzkranker für seine Tat bestraft werden?
 
Marianne Kaufmann nimmt Herrn Frenzel fürsorglich in ihre Obhut und begleitet ihn zur Seniorenresidenz.
„Alles Weitere besprechen wir morgen, hab‘ schon einige Notizen gemacht“, meint der Polizist und nickt Arno van Cloosen zu.
„Du liebe Güte, war das eine Aufregung“, seufzt der Direk
 
 
Lange Aktiv Bleiben e.V. (2014)